So still unter Gründern war es wohl schon lange nicht mehr. Müssen wir bereits nach einem halben Jahr Pandemie um das Überleben unserer vielversprechendsten Startups am Bodensee fürchten? Wie steht es eigentlich um die regionale Gründerszene? Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen und berichten über Startups à la ‚Survival of the Fittest‘ sowie eine lebendige Startup-Szene – in Corona-Isolation.

Corona hält uns alle in Atem. Ein Zusammenkommen auf engem Raum mit vielen Menschen – derzeit kaum denkbar. Und selbst wenn die Lockerungen es ermöglichen – will man im Moment überhaupt ins große Getümmel? Eine Frage, die wir gemäß Feedback aus unserem Netzwerk definitiv verneinen können. Vor allem am deutschen Seeufer ist die Zurückhaltung groß. Für uns Grund genug, um unsere regelmäßigen Gründertreffen – die Startup-Lounge Bodensee – bis Ende 2020 ohne Ersatz zu pausieren. Sich einfach mal von anderen Gründern und Startup-Ikonen inspirieren lassen, ist bis auf Weiteres also gar nicht so einfach. Und auch so hört und liest man weniger über Erfolge von Startups. Das bedeutet aber nicht zwingend, dass weniger passiert oder die Startup-Entwicklung ins Stocken gerät.

Es ist in der Tat so: Viele der Startups aus unserem Netzwerk haben unter der Zurückhaltung von Investoren und Kunden zu knabbern. Aber nur für Wenige bedeutet das zum aktuellen Zeitpunkt das Aus Ihrer Aktivitäten. Die Startup-Szene ist und bleibt in Bewegung – nur eben in Slow-Motion. Gründer und Querdenker wissen sich in der Regel mit innovativen Konzepten zu helfen und nutzen die Zeit im ‚Mehr-oder-weniger-Lockdown‘, um an der Weiterentwicklung ihrer Produkte und Dienstleistungen zu tüfteln. Noch können Startups auf Unterstützung durch Hilfspakete bauen wie z.B. dem erweiterten Pre-Seed-Programm des Landes Baden-Württemberg „Start-up BW Pro-Tect„. Noch ist die Startup-Szene am Bodensee genauso bunt und vielfältig wie vor der Krise und gleicht fehlende finanzielle Rücklagen durch Flexibilität und Agilität in Geschäftsmodell und Organisation aus. Ein Vorteil, der vielen Konzernen nicht vorbehalten ist.

Ein Blick hinter die Kulissen –
So geht es unseren Startups wirklich.

Tatsächlich ist die Frage, wie stark Startups von der Pandemie beeinträchtigt werden, stark abhängig vom derzeitigen Entwicklungsstand und dem jeweiligen Markt des Startups. In der Businessplan und Prototypenphase werden Gründer eher weniger in Ihrer Entwicklung zurückgehalten. Erst beim Vertrieb oder auf Kapitalsuche – also in konkreten Kundengesprächen und beim Aufbau von Partnerschaften sind Startups von der Kauf- und Kooperationsbereitschaft des Gegenüber abhängig. Produkte und Dienstleistungen, die keinen grundlegenden Bedarf decken, sind eher von rückgehenden Absatzzahlen betroffen als solche, die im alltäglichen Leben nicht wegzudenken sind – eine Entwicklung die grundsätzlich sinnvoll erscheint, vorausgesetzt man möchte notwendige Lösungen für echte Probleme fördern. Vor allem Startups der Kategorie „Travel & Tourism“ oder solche mit internationalen Lieferketten haben mit geschlossenen Landesgrenzen und Lieferengpässen zu kämpfen. Bisher müssen wir noch von keinem Startup aus unserem Netzwerk berichten, das es rein aufgrund der Pandemie die Werkbank schließen musste. Dennoch haben die meisten von unerwarteten Herausforderungen zu berichten, die in direktem Zusammenhang mit der Pandemie stehen:

Pandoo produziert und vertreibt Alltagsprodukte aus Bambus – von der Zahnbürste bis zum Toilettenpapier. Auf diese Weise schont das Startup die Umwelt, sensibilisiert Konsumenten und ermöglicht eine nachhaltige Alternative zu handelsüblichen Plastik-Produkten. Mitgründer Salvatore Decker berichtet: „Zu Beginn des Lockdowns, waren sämtliche Paletten unseres Bambus-Toilettenpapiers in wenigen Stunden ausverkauft. Das Lager war komplett leer.“ Derzeit nutzt das Startup aus Konstanz die Zeit um die Logistik weiter zu optimieren, Prozesse zu automatisieren und ein solides Fundament für das weitere Wachstum, die Diversifizierung und Internationalisierung zu schaffen. Pandoo zählt neben fruitcore robotics und YOU MAWO zu den derzeit am stärksten wachsenden Startups in Konstanz und Umgebung, beschäftigt derzeit ca. 20 Mitarbeiter und möchte demnächst neben Deutschland auch weitere EU-Märkte erschließen.

Paopao essentials produziert und vertreibt Naturprodukte, die das Wohlbefinden der Frau in ihrem Zyklus, v.a. beim Absetzen der Pille, positiv beeinflussen. Das ein Jahr junge Startup erfreut sich an wachsenden Kundenzahlen trotz Corona. Zwar seien die Wachstumszahlen während der Pandemie geringer ausgefallen als ursprünglich prognostiziert. Auch seien sie immer wieder mit Lieferengpässen ihrer Zulieferer konfrontiert. So wäre beispielsweise die Verschlusskappe der Kosmetikfläschchen über 12 Monate nicht lieferbar gewesen, hätten sie nicht einen alternativen Lieferanten ausfindig machen können. Dennoch habe gerade die Coronakrise viele Menschen zum Nachdenken angeregt und das Interesse an ihren Produkten sei weiterhin vorhanden, obwohl die Naturprodukte zum Wohlbefinden dienen, und nicht wie Nudeln einen lebenswichtigen Bedarf decken, berichten die beiden Gründerinnen Sina Oberle und Judith Islitzer zufrieden.

MyCabin arbeitet seit etwa einem Jahr an einer neuen Buchungsplattform für naturnahes Übernachten im Alpenraum, um eine bewusste Alternative zum illegalen Wildcampen zu bieten. In den Wintermonaten haben die Noch-Studenten den Launch der Plattform vorbereitet und im Rahmen des Accelerators Gründermotor auf den Markteintritt hingearbeitet. Der Lockdown im März, April, Mai und Juni sowie die Schließung der Grenzen zu den nahegelegenen Appenzeller Alpen machte einen Start der Pilotphase mit Beginn der Wandersaison unmöglich. Seit Juli ist MyCabin nun zur Freude der begeisterten Community endlich online und das mit großem Erfolg. Bereits 43 naturnahe Stellplätze, Unterstände und Hütten werden von Outdoorliebhabern fleißig gebucht und bezogen. Dass Reisende in diesem Sommer bevorzugt Urlaubsziele innerhalb der EU ansteuern, spielt MyCabin dabei sogar in die Karten.

Lernwolke ist eine innovative Lernsoftware für Schweizer Primarschulen. Die Pandemie bestätigt einen Mangel im Bildungssektor, der für Mira Learning Lab GmbH schon lange klar auf der Hand lag: die Integration von Tablets und geeigneter Lernsoftware in die zu großen Teilen analoge Schullandschaft. Seit Beginn der Pandemie verzeichnet Lernwolke mehr als doppelt so hohe Nutzerzahlen. Während Corona ist die Nutzung bislang kostenfrei. Langfristig jedoch hofft Mira Learning Lab seinen Umsatz durch die erhöhten Nutzerzahlen zu steigern. Im nächsten Jahr wollen die Gründer nun auch nach Deutschland expandieren und ihr Team in diesem Zuge vergrößern.

Aufarbeiten oder Weiterentwickeln?
Eine Chance für unser Netzwerk, ‚auf-der-Strecke-gebliebene‘ Potenziale zu nutzen!

Auch wir vom Startup Netzwerk Bodensee haben die letzten Monate dazu genutzt Konzepte aufzuarbeiten, die schon lange in unserer Schublade schlummern. So haben wir unsere Kommunikation zu großen Teilen digitalisiert und können euch jetzt auf Basis eines Datenbank-Matchings direkt mit passenden Ansprechpartnern z.B. via Videokonferenz ins Gespräch bringen – ganz ohne Kontaktbeschränkungen – egal ob Mitarbeiter & Mitgründer, Pilotkunden & Kooperationspartner, Mentoren & Investoren oder Dienstleister. > jetzt Kontakte finden

Seit Anfang 2020 vermitteln wir erstmals im Rahmen unseres eigenen Mentoring-Programms ‚Startup Unterstützer Bodensee‘ gründungs- und führungserfahrene Unternehmer, die sich aus Spaß an der Sache mit Knowhow, Kontakten und teilweise auch Kapital in Startups einbringen. Nach erfolgreichem Kickoff im November 2019, sind derzeit 23 Unternehmer als Mentoren in dem Programm aktiv. Bereits zehn Startups werden von unseren Mentoren aktiv begleitet. Bis Ende des Jahres wollen wir das Pilotjahr abschließen und weitere Mentoren für eine Teilnahme an dem Programm begeistern. Wir sind beeindruckt, wieviel Potenzial in den ersten Mentoring-Gesprächen genutzt werden konnte und freuen uns, wenn wir euch in den kommenden Monaten weitere Erfolgsgeschichten berichten dürfen. > mehr erfahren

Seit Anfang 2020 befinden wir uns im Aufbau eines neuen Projektes, welches im kommenden Jahr in die Pilotphase starten soll. Mit dem Projekt wollen wir Startups mit potenziellen Pilotkunden und Kooperationspartnern, vorwiegend KMU zusammenbringen. Auf diese Weise sollen beide Seiten voneinander profitieren:
Startups erhalten durch Kooperationsprojekte mit traditionellen Unternehmen Zugang zu knappen Ressourcen wie z.B. Knowhow, Kapital, Netzwerk und Infrastruktur (Maschinen, Labore, etc.). Sie können fehlendes Knowhow und Netzwerk ausgleichen, ggfs. Finanzlücken schließen oder bestehende Maschinen und Anlagen nutzen. Dies führt zu einer deutlich schnelleren Entwicklung des Startups und letztendlich zu einer höheren Überlebenswahrscheinlichkeit von risikoreichen Neugründungen, besonders in technischen Bereichen.
Etablierte KMU profitieren, indem sie durch Kooperationen mit oder Beteiligungen an Startups kurzfristigen und ressourcenschonenden Zugang zu dringend notwendigen Innovationen und / oder Fachpersonal erhalten. Sie verbessern dadurch auch langfristig ihre (Innovations-)Kultur und werden dadurch allgemein innovativer gegenüber Wettbewerbern und interessanter für junge Talente im Wettbewerb um Fachkräfte.
Derzeit bereiten wir den Launch des Programms vor und arbeiten dabei mit sieben Gründerzentren und Hochschulen der Teilregionen zusammen. Interessierte KMU können ab sofort Interesse für eine Teilnahme an dem Programm anmelden. > Interesse signalisieren

Wir sind umgezogen!
Das ist unsere neue Adresse.

Neben dem Aufbau neuer Formate haben wir unterdessen auch unser neues Büro im Innovation Center Konstanz bezogen. Wir freuen uns, euch zukünftig in der Turmstraße 5 begrüßen zu dürfen.

Kommentieren Sie den Artikel

Please enter your comment!
Please enter your name here