Wie stelle ich sicher, dass mein Unternehmen zahlungsfähig bleibt? Ein Gastbeitrag von Dr. Daniel Maul über Tools und Tipps zum Thema Liquidität. So verlieren Gründer den eigenen Cashflow nicht aus den Augen.

Gründer fokussieren sich in ihrem Schaffen gerne auf ihr neuartiges Produkt bzw. ihre innovative Dienstleistung. Und das ist auch nachvollziehbar, hängt doch der Erfolg eines Startups von eben diesem in großen Teilen ab. Dies hat aber zur Folge, dass die ohnehin schon vollgepackte 50-, 60- oder 70-Stunden Arbeitswoche wenig Raum für die kaufmännischen Themen lässt, diese also meist stiefmütterlich behandelt werden. Geld für einen eigenständigen Head-of-Finance ist ohnehin nicht vorhanden und um die „Zahlen“ kümmert sich doch der Steuerberater. Wenn es dann im Zeitablauf auf dem Firmenkonto eng wird, wird meist viel zu spät nach Lösungen für die angespannte Liquidität gesucht und es droht die Zahlungsunfähigkeit.

Problematisch bei der Argumentation „der Steuerberater kümmert sich um die Zahlen“ ist, dass dieser grundsätzlich nur an der betrieblichen Vergangenheit interessiert ist. Hier wird abgebildet, was längst passiert ist. Die in die Zukunft gerichtete Planung des Geschäftsführers dagegen, beschränkt sich häufig auf einen Blick aufs Bankkonto und den gedanklichen Abgleich mit den Fixkosten wie Gehälter, Miete usw. Ist der Kontostand dann zu niedrig, schrillen die Alarmglocken erst, wenn es meist schon zu spät ist.

Doch wie kann sichergestellt werden, dass sich der Gründer wirklich nur mit den nötigsten Fragen auseinandersetzt und nicht unnötige Zahlenfriedhöfe kreiert? Einen vielversprechenden Ansatz liefert der Investor und Mitgründer von Y Combinator Paul Graham. Für ihn steht die Frage im Vordergrund, ob ein Startup „Default Alive“ oder „Default Dead“ ist (siehe http://www.paulgraham.com/aord.html). Kurz zusammengefasst geht es darum, ob die aktuelle Liquiditätsausstattung des Startups ausreicht, bis Profitabilität erreicht wird. Paul Graham vergleicht dabei die Werte konstant wachsender Umsatz (siehe Revenues in Abbildung 1) und konstante Kosten (siehe Expenses in Abbildung 1). Bis der laufende Umsatz die Kosten deckt, benötigt das Unternehmen ausreichend finanzielle Mittel. Fehlt es an diesen oder sind diese nicht ausreichend vorhanden, ist das Startup „Default Dead“. Der Gründer sollte sich in diesem Fall auf die Beschaffung von Liquidität konzentrieren. Bei ausreichend Kapitalreserven, sollte dagegen die Weiterentwicklung des Produkts und die Marktbearbeitung im Fokus stehen.

Abbildung 1: Beispiel der Berechnung nach Paul Graham. Quelle: Eigene Berechnungen.

Aber auch der „Default Alive vs Default Dead“ Ansatz ist nicht ohne Kritik. Nachteilig ist die starke Vereinfachung der Realität mit konstanten Kosten und konstantem Umsatzwachstum. Besser hingegen ist das Aufstellen einer monatlichen Cashflow Planung. 

Abbildung 2: Beispiel einer Cashflow Planung auf Monatsbasis. Quelle: Eigene Berechnungen.

Basierend auf den Werten der Buchhaltung werden nur die tatsächlich zahlungswirksamen Aufwendungen und Erträge berücksichtigt, um Investitions- und Finanzierungsmaßnahmen ergänzt und so Monat für Monat der Stand an liquiden Mitteln prognostiziert. Bei dieser Vorgehensweise lässt sich neben dem Bedarf an Liquidität auch der genaue Monat bestimmen, in dem es droht, finanziell eng zu werden. Darüber hinaus sind auf diese Weise Soll-Ist-Vergleiche möglich. Ist der finanzielle Bedarf gedeckt, kann sich der Gründer ohne schlechtes Gewissen anderen Themen widmen. Nichtdestotrotz bleibt die wöchentliche bis 14-tägige Aktualisierung der Daten Chefsache.

Über den Autor

Daniel Maul studierte Wirtschaftsingenieurwesen Fachrichtung Maschinenbau an der TU Darmstadt. Im Anschluss an sein Studium war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Unternehmensfinanzierung der TU Darmstadt tätig. Während dieser Zeit publizierte er mehrere Artikel in nationalen und internationalen Fachzeitschriften und schloss seine Promotion mit dem akademischen Grad Dr. rer. pol. ab. Seit November 2015 ist er als Investment Manager für eine Beteiligungsgesellschaft in Karlsruhe tätig und betreut Unternehmen unter anderem zu den Themen Cashflow-Planung, integrierte Finanzplanungen und Erstellung von Businessplänen.

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