Gründungsinterview: „Ungewissheit, Spannung, Herausforderung & Mut“

Gründungsinterview: „Ungewissheit, Spannung, Herausforderung & Mut“

Do. 18.01.2018, 09:15

Der Neurowissenschaftler Marc Zünd gründete seine Firma mit dem IFJ und verrät uns im Gründungsinterview mehr über die Vigilitech AG.

Bevor wir über euer Unternehmen sprechen. Stell dich doch kurz unseren Leser/innen vor.
Seit ich klein bin, haben mich Natur und Mensch immer sehr fasziniert. Besonders das Gehirn hat mich magisch angezogen. Aus diesem Grund habe ich Biologie studiert und mich auf Neurowissenschaften spezialisiert. Vor allem die Idee, dass wir unser eigenes Gehirn brauchen, um es zu erforschen, fand ich spannend. Was mich an der Forschung so fasziniert ist, dass es sich wie ein Abenteuer beschreibt – es ist ungewiss, spannend, herausfordernd und braucht Mut, da es auch sehr frustrierend sein kann. Ich denke, dass sind auch viele Attribute, die ein Startup mit sich bringt.

Wie entstand die Idee für euer Startup, wann habt ihr gegründet und was bietet ihr an? 
Als Neurowissenschaftler bin ich daran interessiert das Rätsel des eigenen Gehirns zu lösen. Die Forschung am menschlichen Gehirn ist jedoch sehr eingeschränkt. Aus diesem Grund weichen viele Forscher auf alternative Modellorganismen aus – ich inbegriffen. In meiner Forschung habe ich oft mit Mäusen zu tun. Bei der Arbeit mit Mäusen und anderen Kleintieren ist es entscheidend, die Vitalfunktionen wie Herzschlag, Atemfrequenz und Temperatur zu messen und zu überwachen, um das Überleben der Tiere zu sichern. Die Überwachung ist jedoch einerseits erschwert aufgrund der Anatomie der Tiere wie die Grösse oder das Fell. Andererseits auch aufgrund der Technik, da es mit aktuellen Überwachungsgeräten oft zu Messfehlern kommt. Dieser zweite Umstand lässt sich aber durch die heutige Technik deutlich verbessern. Dort setzt unser Startup an. Zusammen mit meinem Bruder, der Computerwissenschaften studiert hat, und einem Kollegen aus dem Bereich Elektrotechnik haben wir ein Monitoringsystem für chirurgische Eingriffe bei Kleintieren entwickelt. Vigilitech haben wir im Oktober 2016 gegründet und mittlerweile sind wir ein interdisziplinäres Team von fünf Leuten bestehend aus Wissenschaftlern, Programmierern, Elektrotechnikern und Veterinärmedizinern.

Wie ist dir der Start ins Unternehmertum gelungen? 
Ich glaube, wir waren selbst sehr überrascht, dass wir auf einmal ein eigenes kleines Unternehmen sind. Angefangen hat eigentlich alles damit, dass wir unser eigenes Problem lösen wollten, dann aber festgestellt haben, dass auch andere Bereiche ausserhalb der Universität von unserer Lösung profitieren können wie unter anderem die Veterinärmedizin oder Pharmaindustrie. Ich glaube den Start ins Unternehmertum ist uns gelungen, da wir kein neues Bedürfnis generiert haben, sondern eine innovative Lösung anbieten für die bereits eine Nachfrage besteht.

Das Produkt zu unserer innovativen Lösung ist noch in der Entwicklung. Um ein starkes, überzeugendes Produkt zu entwickeln, bin ich der Überzeugung, dass es ein starkes Gründerteam und die richtige Starthilfe braucht. Unser interdisziplinäres Team ist sicherlich eine unserer Stärken. Die andere genannte wichtige Komponente war zudem die Unterstützung unter anderem durch das IFJ und andere Experten. Diese Faktoren haben im Wesentlichen dazu beigetragen die ersten Schritte zu wagen und erfolgreich zu meistern.

Was sind deine nächsten Schritte?
Das Produkt ist noch nicht erhältlich, aber die Prototypen funktionieren. Unsere grössten kurzfristigen Herausforderungen im Moment sind der Schritt vom Prototypenbau in die Serienproduktion sowie die Massentauglichkeit unseres Produkts. Wir haben schon viele Anfragen und Interessenten für unser Produkt. Langfristig gesehen ist ein wichtiger nächster Schritt der Aufbau eines nachhaltigen Unternehmens, das in Zukunft Löhne zahlen kann, erfolgreich wirtschaftet und weitere Märkte mit neuen innovativen Produkten erschliessen kann.

Hast du einen Tipp für (angehende) Gründer/innen, den du selbst gerne früher erhalten hättest?
Mit unseren Backgrounds sind wir typische Prototypenbauer und Bastler. So hatten wir ziemlich schnell ein Gerät bereit das mehr oder weniger funktionierte. Jedoch hatten wir keine Ahnung von den Richtlinien und Massnahmen die nötig sind für den Verkauf eines industriell hergestellten Produkts in unserem Markt. Deshalb würde ich früher beginnen mit Produktionspartnern zusammenzuarbeiten, um Forschung und Entwicklung parallel zur Produktion aufzubauen.

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